5 Fragen an…Sophie Blaha von Blaha Office

Sophie Blaha, 3. Generation von Blaha Office in Wien und leitet seit Mai 2024 das Unternehmen als Geschäftsführerin. Nachfolge im Familienunternehmen ist für Sophie kein spontaner Schritt gewesen, sondern ein gewachsener Prozess. Im Interview mit Nathalie Stadelmann spricht sie über Verantwortung, Gestaltungsspielräume und aktuelle Herausforderungen für den Mittelstand. Sie teilt, wie sie ihren Weg in die Führungsrolle gefunden hat, warum der Austausch unter NextGens wichtig ist und welche Bedeutung Nachhaltigkeit für die Zukunft ihres Familienunternehmens hat.

1. Was hat dich motiviert, die Nachfolge im Familienunternehmen anzutreten?

Ich habe von klein auf viel Zeit im Unternehmen verbracht und dadurch früh erlebt, was Unternehmertum bedeutet. Schon als Kind habe ich gesehen, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und ein Umfeld aktiv mitzugestalten. Dieser Gedanke hat mich nie losgelassen.

Die Entscheidung, die Nachfolge anzutreten, war deshalb kein momentaner Impuls, sondern ein natürlicher Prozess: Ich wollte das weiterführen, was meine Familie aufgebaut hat – aber mit meiner eigenen Handschrift. Diese Freiheit, gestalten zu dürfen und Dinge weiterzuentwickeln, ist für mich der größte Antrieb.

2. Welches sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für euer Unternehmen und den österreichischen Mittelstand?

Eine große Herausforderung ist die Bürokratie. Die Vielzahl an Regulatorien, Prüfungen und gesetzlichen Anforderungen erschwert unternehmerisches Handeln massiv. Viel Energie fließt heute in das Erfüllen formaler Vorgaben, anstatt sie in die wichtigen Themen stecken zu können.

Dazu kommt eine Kostenstruktur, die den Standort Österreich unter Druck setzt. Wenn am Ende nur noch der Preis zählt, verliert ein Unternehmen wie unseres – das auf Qualität, Regionalität und langlebige Produkte setzt – Wettbewerbsvorteile, die eigentlich wichtig sind.

Und nicht zuletzt fordert auch das Thema Leistung ein Umdenken. Wir müssen Wege finden, Leistung fair, motivierend und zeitgemäß zu definieren – in einer Arbeitswelt, die sich ständig weiterentwickelt.

3. Stichwort Qualifikation: Wie hast du dich auf deine neue Rolle vorbereitet?

Der Einstieg war alles andere als geplant – ich bin mitten in den Beginn der Corona‑Zeit hineingerutscht. Das hat vieles beschleunigt und mir gleichzeitig gezeigt, wie wichtig es ist, flexibel zu bleiben und schnell dazuzulernen.

Natürlich habe ich mir davor ein gutes Fundament aufgebaut: eine Ausbildung in Unternehmensführung und Interior Design, internationale Berufserfahrung und Einblicke in unterschiedliche Kulturen und Arbeitsweisen. Aber auf die tatsächliche Verantwortung kann dich niemand wirklich vorbereiten. Vieles habe ich erst im Tun gelernt.

Was mir dabei besonders geholfen hat, ist Coaching. Die Möglichkeit, regelmäßig zu reflektieren, unterstützt mich enorm – Selbstführung ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Werkzeuge in einer Führungsrolle.

4. Wie wichtig ist der Austausch mit anderen NextGens – und warum?

Extrem wichtig. In Familienunternehmen befindet man sich oft in einer sehr speziellen Situation, die man nicht mit „jedem/jeder“ besprechen kann. Viele Fragen betreffen gleichzeitig die Familie, das Unternehmen und die eigene Rolle.

Der Austausch mit anderen NextGens schafft ein Umfeld, in dem man offen sprechen kann, weil die anderen ähnliche Situationen kennen – organisatorisch, emotional, strategisch.

Je höher die Verantwortung wird, desto kleiner wird der Kreis, mit dem man vertraulich über bestimmte
Fragen reden kann. Genau deshalb braucht es solche Netzwerke.

5. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in eurer zukünftigen Geschäftsstrategie?

Nachhaltigkeit ist für uns sehr wichtig und seit Jahren fixer Bestandteil der Unternehmensführung. Wir sind seit 2014 EMAS-zertifiziert – und das aus Überzeugung.

Für uns bedeutet Nachhaltigkeit, das Unternehmen langfristig stabil und verantwortlich zu führen: bewusst mit Ressourcen umzugehen, regional zu produzieren und Entscheidungen so zu treffen, dass sie auch in Zukunft tragfähig sind.

Dabei geht es nicht nur um ökologische Aspekte, sondern auch um die Art und Wiese, wie wir mit Menschen zusammenarbeiten. Nachhaltiges Wirtschaften heißt für uns, Verantwortung zu übernehmen – für die Umwelt, für unsere Mitarbeiter:innen und für ein Unternehmen, das auch in der nächsten Generation bestehen soll.

Wenn du auch Interesse am Netzwerken mit anderen Nachfolgern hast, dann melde dich sehr gerne bei uns. Der NextGen Club könnte genau das Richtige für dich sein.

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