Unternehmensnachfolger Jonathan End

5 Fragen an… Jonathan End von Kläger Spritzguss

Jonathan End, 3. Generation der Kläger Spritzguss GmbH & Co. KG, beschreibt im Interview mit Nathalie Stadelmann, die Nachfolge aus seiner Perspektive, und erläutert die Pläne, mit der die NextGen mit der „Roadmap 2030“ das Unternehmen zukunftsorientiert weiterentwickeln möchte. Dabei legen sie besonderen Wert auf die Balance zwischen Traditionsbewahrung und Innovationsmut sowie die Bewältigung aktueller wirtschaftlicher Herausforderungen.

1. Was hat dich motiviert, die Nachfolge im Familienunternehmen anzutreten?

Für uns ist es die perfekte Kombination aus zwei starken Kräften: tiefem Respekt und purer Ambition. Einerseits die Verbundenheit mit dem, was unsere Familie aufgebaut hat – ein Unternehmen, das für Qualität und Präzision „Made in Black Forest“ steht. Andererseits sehen wir als neue Generation die riesige Chance, dieses Erbe nicht nur zu bewahren, sondern es mit voller Kraft in die Zukunft zu führen.

Genau dafür haben wir die „Roadmap 2030“ entwickelt, mit der wir Kläger zu einem globalen Technologieunternehmen transformieren. Die Möglichkeit, diese Transformation zu gestalten, neue Märkte wie die USA zu erschließen und mit Innovationen die Grenzen des Machbaren zu verschieben, ist unser gemeinsamer, unglaublich starker Antrieb.

2. Welche beruflichen und persönlichen Erfahrungen hast du gemacht, die dich auf den Eintritt in das Familienunternehmen vorbereitet haben?

Meinem Bruder und mir stand es immer frei, ob wir in das Familienunternehmen einsteigen.
Es hat sich gezeigt, dass sich unsere unterschiedlichen Ausbildungen ideal ergänzen: Seine technische Expertise aus dem Maschinenbaustudium ist die perfekte Ergänzung zu meiner betriebswirtschaftlichen und psychologischen Perspektive aus dem Wirtschaftspsychologie-Studium. So decken wir sowohl die technologische Innovationskraft als auch die strategische und menschliche Seite der Unternehmensführung optimal ab.

3. Was waren deine Herausforderungen, die dir im Nachfolgeprozess begegnet sind und wie hast du diese gelöst?

Die größte Herausforderung war zugleich die größte Chance: die Balance zu finden zwischen dem Bewahren der erfolgreichen Wurzeln und dem Mut, radikal neu zu denken. Ein Unternehmen mit einer so stolzen Geschichte und so viel Know-how verändert man nicht über Nacht. Wir haben deshalb einen sehr offenen und intensiven Dialogprozess mit der vorherigen Generation und dem langjährigen Management gestartet. Anstatt mit fertigen Konzepten zu kommen, haben wir die „Roadmap 2030“ gemeinsam entwickelt. So wurde aus einer potenziellen Hürde ein kraftvoller, gemeinsamer Aufbruch. Wir haben die Erfahrung im Unternehmen mit unseren neuen Ideen verbunden und so eine Strategie geschaffen, die von allen mitgetragen wird.

4. Welches sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für euer Unternehmen und den gesamten deutschen Mittelstand?

Da ist erstens der ‚hausgemachte‘ Reformstau: eine erstickende Bürokratie, eine der weltweit höchsten Steuer- und Abgabenlasten und ein massiver Investitionsstau bei der Infrastruktur. Gepaart mit einem Bildungssystem, das rapide an Niveau verliert, gefährdet das Ganze die Basis unseres Wohlstands in Deutschland.

Zweitens die direkten Kostenexplosionen: international nicht mehr wettbewerbsfähige Energiekosten und extrem hohe Lohnnebenkosten, die den Faktor Arbeit zum Luxusgut machen und Investitionen ins Ausland treiben.

Und drittens die strategischen Zukunftsrisiken: eine gefährliche Exportabhängigkeit, die uns zum Spielball globaler Krisen macht, ein eklatanter Fachkräftemangel und eine schwache Innovationskultur, der die Anreize fehlen, aus guten Ideen auch erfolgreiche Unternehmen zu machen.

Diese Liste ist lang, und man könnte darüber klagen. Wir aber sehen darin vor allem ein klares Mandat zum Handeln. Unsere ‚Roadmap 2030‘ ist die direkte Antwort darauf. Wir begegnen dem Kostendruck und der Bürokratie mit durchdachten, klugen und innovativen Ideen/Ansätzen, die uns dabei helfen, uns global und zugleich gut für die Zukunft aufzustellen.

Wir bleiben also positiv und gestalten unsere Zukunft aktiv. Aber unser Optimismus ist nicht naiv. Er basiert auf einer schonungslosen Analyse der Realität und der klaren strategischen Ausrichtung, die wir daraus ableiten. Wir analysieren alle Optionen sorgfältig und richten uns so aus, dass wir unter den gegebenen Bedingungen nicht nur überleben, sondern erfolgreich wachsen können.

5. Wie wichtig erachtest du den Austausch mit anderen NextGens und warum?

Sehr wichtig. Der Austausch mit anderen jungen Unternehmern, die in einer ähnlichen Situation sind, ist Gold wert. Man teilt nicht nur die gleichen Herausforderungen, sondern profitiert auch von den unterschiedlichen Lösungswegen und Ideen. Dieses Netzwerk ist für uns Inspiration und Sparringspartner zugleich.

Herzlichen Dank, lieber Jonathan, für deine Einblicke und die offenen Worte.

Wenn du auch Interesse am Netzwerken mit anderen Nachfolgern hast, dann melde dich sehr gerne bei uns. Der NextGen Club könnte genau das Richtige für dich sein. 

Weitere Beiträge

11.03.2026 - Blogartikel, Interview, Lesetipps, Nachfolge

5 Fragen an…Sophie Blaha von Blaha Office

1. Was hat dich motiviert, die Nachfolge im Familienunternehmen anzutreten? Ich habe von klein auf viel Zeit im Unternehmen verbracht und dadurch früh erlebt, was Unternehmertum bedeutet.
Mehr erfahren

04.03.2026 - Blogartikel, Highlight, Lesetipps, Nachfolge

Loslassen ist auch Unternehmertum

Michael Lindner über Nachfolge, Verantwortung und Familie Was bedeutet es, ein Unternehmen über Jahrzehnte zu prägen und es schließlich loszulassen? In „Wir sind Unternehmer, keine Unterlasser“ erzählt Michael Lindner gemeinsam mit seiner Frau und seinen vier Kindern von Verantwortung, Erwartung, Konflikten und dem bewussten Schritt in den Generationenwechsel.
Mehr erfahren
Foto von Lea Matschke

30.09.2025 - Allgemein

5 Fragen an… Lea Matschke von ALHO

1.⁠ ⁠Du bist ins Familienunternehmen eingetreten und hast dich später für eine Auszeit entschieden. Was waren deine Beweggründe für den Einstieg – und was hat dich dazu bewogen, wieder auszusteigen?Einstieg:Ich bin mit dem Unternehmen aufgewachsen und habe schon während meiner Schulferien bei ALHO gejobbt.
Mehr erfahren

Wie können wir Ihnen helfen?

Kontaktieren Sie uns +49 228 854696-61
×