07.09.2026 - Allgemein
Strategie, Struktur und Zukunftsfähigkeit von Familienunternehmen stehen für Sonja Wilke im Mittelpunkt ihrer Beiratsarbeit. Aus ihrer Erfahrung als Gesellschafterin, Aufsichtsrätin und Holding-Geschäftsführerin weiß sie: Erfolgreiche Zusammenarbeit braucht klare Rollen, Transparenz und ein gemeinsames Zielbild. Im Interview spricht sie über die Bedeutung professioneller Governance, mutige strategische Entscheidungen, persönliche (Lern-)Erfahrungen im Gremium und warum Vielfalt sowie neue Formen des Wissensaustauschs für Familienunternehmen wichtiger sind denn je.
Welche Expertise bringen Sie als Beirat in Familienunternehmen ein?
Ich sehe meine Expertise vor allem im Wissen um die Wichtigkeit von Strukturen in Familienunternehmen. 15 Jahre Blickwinkel als Gesellschafterin, Aufsichtsrätin, Familienmitglied und Holding-Geschäftsführerin in unserem Unternehmen inklusive Roller Coaster sind das Eine. Aber ich liebe besonders offene Gespräche mit Familienunternehme(r)n und ganz besonders auch Fremdmanagern . Es waren bestimmt schon 100. Ich würde also sagen, ich weiß, dass nicht alle Probleme „Hidden-Champion“ Charakter haben, sondern es dazu schon bei vielen anderen Lösungen gibt. Und ich denke lieber über die Zukunft als über die Vergangenheit nach und ziele außerhalb des Tagesgeschäftes auf strategische erste Ansätze. Kurzgesagt: Strategie und Struktur in Familienunternehmen.
Was ist wichtig für die Zusammenarbeit zwischen Beirat, Geschäftsführung und Gesellschaftern?
Die Basis für gute Zusammenarbeit findet sich in Strukturen, Akzeptanz und dem „Wir-Gefühl“. Besonders dort, wo die Familie noch eine Rolle spielt. Beiratsordnung, zustimmungspflichtige Geschäfte, GesellschafterPositionsPapier – das alles macht das Zusammenleben leichter. Jeder sollte wissen, wie die Gesellschafter konstituiert sind, wo sie mitreden dürfen, wo nicht. Aber vor allem muss klar sein, welches die langfristigen Ziele der Gesellschafter und welches die mittel- bis kurzfristigen der Geschäftsführung sind. Daraus einen Zukunftsweg zu machen, ist ein toller Job für einen Beirat.
Oft fehlt neuen Mitgliedern auch ein gutes Onboarding und leider die Offenheit darüber, was die wirklichen Herausforderungen des Unternehmens sind. Mehr Transparenz bitte!
Welche Veränderungen oder strategischen Entwicklungen konnten Sie als Beirat bereits anstoßen?
Ich habe mich sehr eingesetzt für einen kontinuierlichen Strategieprozess, den Ausbau der thailändischen Fertigungskompetenz, die Schaffung eines internationalen Controllings, die erstmalige Besetzung eines Finanzvorstandes, die Installation eines Risikoprozesses und die Eröffnung von DigitalDataRooms für die Kommunikation in den Gremien.
Momentan sind mir die AI-Entwicklung und Integration sowie die Unternehmens-Resilienz in Krisenzeiten wichtig sowie die Integration der next Generation.
Wann haben Sie zuletzt Ihre Meinung im Beirat geändert – und warum?
Eine wirklich relevante Änderung war in der Planungsphase für den Bau eines Werkes in China. Der Vorstand (sehr China-Erfahren) hat dies massiv vorangetrieben. Die Planung lief schnell, die Businesspläne lagen vor, Förderungen waren zugesagt. Ich habe die Planung anfänglich unterstützt, habe an „In China für China“ geglaubt und mich mitreißen lassen. Ich habe unserem Vorstand vertraut in einer Sache, in der mir selber die Erfahrung fehlte. Die Dimension wurde immer gewaltiger, die unbeantworteten Fragen größer, der Businessplan rissiger. Das Vertrauen schwand, die Gremien und Gesellschafter waren hoffnungslos zerstritten. Irgendwann gab es nur noch schlaflose Nächte. Bis zu dem Tag, an dem ich den Aufsichtsrats-Vorsitzenden angerufen und gebrüllt habe: „Wir müssen das stoppen. Jetzt, heute und sofort!“
Den finanzielle Schaden haben wir besser überstanden als den zwischenmenschlichen.
Wie wichtig sind Kompetenzen, Branchenerfahrung und Vielfalt bei der Zusammensetzung eines Beirats?
Richtig wichtig. Wer einen ernstzunehmenden Beirat möchte, muss aber vor allem ehrlich mit sich selbst sein und wissen, wo die Schwachstellen sind, wo das Ende der eigenen Kompetenz beginnt (siehe Frage zuvor) und genau wissen, wofür er diesen Beirat sucht.
Und er sollte nie nur auf den Beirat schauen, sondern auch auf die Kompetenz im Vorstand. Es ist komplex…
Beiratsbesetzung ist noch immer ein starres Instrument. Wenig flexibel und mit langfristigem Fokus. Passt das noch ins Jahr 2026 oder müssen wir das Tool ergänzen? Wir haben innerhalb der Familienunternehmen so viel geballtes Wissen – warum nutzen wir das nicht füreinander. Ich würde mir eine „Zertifizierte Familienunternehmer-Austauschbörse“ wünschen. Familienunternehmer werden Mitglied, benennen dort ein Kompetenzfeld mit Zeitkontingent. Wenn ich als Familienunternehmer Unterstützung bei einem Thema brauche, suche ich mir dort jemanden. Schnell, unkompliziert und für einen begrenzten Zeitraum. So sähe ich auch mehr Chance, die klugen jungen Köpfe zu integrieren und den Austausch zu fördern.
Wenn Sie mehr zum Thema Beirat wissen möchten, schauen Sie sich gerne hier um oder schreiben Sie uns unter beirat@intes-akademie.de.
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