07.07.2026 - Allgemein
ZUR PERSON Markus Vallon ist seit 2023 alleiniger Geschäftsführer der von seinem Großvater gegründeten VALLON GmbH, eines Herstellers von Detektionstechnologien und Entmagnetisierungslösungen. Im Interview mit Britta Wormuth spricht er über die Nachfolge, Verantwortung und darüber, warum sein Unternehmen nicht im Rampenlicht steht, obwohl es hilft, Leben zu schützen.
Markus, du bist 2019 direkt nach deinem Doppelstudium bei VALLON und Force Ware in die Geschäftsführung eingestiegen. War es für dich immer klar, die Nachfolge zu übernehmen?
MARKUS VALLON: Schon während meiner Kindheit habe ich viel Zeit in der Firma verbracht, auch meinen Opa habe ich noch „in
action“ erlebt. Daheim ging es natürlich auch oft um das Unternehmen. Nach dem Abitur lag mein Fokus auf dem Studium und darauf,
möglichst viele praktische Erfahrungen zu sammeln. Letztlich hat mein Vater aber den Ausschlag gegeben. Er hat mich ganz direkt
gefragt. Damals war ich 22 Jahre, mitten im Bachelor-Studium und vielleicht etwas unbedarft, habe aber dann aktiv auf den Einstieg hingearbeitet. Die Verbundenheit mit dem Unternehmen und unser Unternehmenszweck, Leben zu schützen, haben eine wichtige Rolle gespielt.
Wie verlief der Start?
Nach zwei Jahren in den Bereichen Finanzen und Personal übernahm ich erste Aufgaben in der Geschäftsführung. Zunächst mit meinem Vater. Rückblickend war das ein echter Sprung ins kalte Wasser. Aber damals habe ich das nicht so gesehen. Ich wollte einfach mitanpacken und habe es sehr geschätzt, so eng mit meinem Vater zusammenzuarbeiten.
Was würdest du heute anders machen?
Dass mein Vater früh Verantwortung an mich übergeben hat, war wichtig, aber auch eine Herausforderung. Ich musste Entscheidungen in Bereichen treffen, in denen ich vorher noch nicht operativ mitgearbeitet hatte. Da hätte mir ein behutsamer Einstieg sicher gutgetan. In dem Turbogang lag der Fokus darauf, Themen zu übergeben, das Changemanagement blieb da etwas auf der Strecke. Ich musste lernen, wie wichtig es ist, die Mitarbeitenden von Anfang an mitzunehmen und uns immer wieder aus der Komfortzone zu holen.
Wie bewertest du das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Klimaschutz und Infrastruktur und die gelockerte Schuldenbremse für Verteidigung?
Meine Hoffnung als schwäbischer Familienunternehmer ist natürlich, dass deutsche Unternehmen einen Großteil der Aufträge aus diesen Investitionen erhalten und dass das die deutsche Wirtschaft ankurbelt. Gleichzeitig dürfen die Belastungen für zukünftige Generationen nicht zu groß und Unternehmen nicht durch höhere Steuern oder Abgaben übermäßig belastet werden. Daher müssen die Ausgaben zielgerichtet getätigt werden und eine Investitionen in die Zukunft sein. Dann bin ich zuversichtlich für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Hältst du das Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung für den richtigen Weg für die strauchelnde deutsche Wirtschaft?
Die Frage ist, ob das ausreicht. Der Modernisierungsstau wird zwar angegangen, es muss aber auch strukturelle Reformen bei Energie, Steuern, Lohnnebenkosten und Bürokratieabbau geben, damit Deutschland langfristig zukunftsfähig aufgestellt ist. Und es muss gespart werden. Ich frage mich schon, warum Investitionen in die Infrastruktur nicht rechtzeitig durch bessere Planung oder Prioritätensetzung im normalen Haushalt getätigt werden konnten.
Hat die Bundesregierung die richtigen Schritte getätigt, um die Verteidigungsfähigkeit und den Zivilschutz Deutschlands sicherzustellen?
Investitionen in Sicherheit und Verteidigung sind aufgrund der geänderten sicherheitspolitischen Lage überfällig. Für eine erhebliche Ausweitung der Investitionen sorgt auch der Beschluss der NATO-Mitgliedsländer, bis 2035 5 Prozent ihres BIP in Verteidigung und Sicherheit zu investieren. Entscheidend ist jedoch, dass die Mittel nachweisbar in eine moderne Infrastruktur, qualitativ hochwertige Ausrüstung und eine solide Ausbildung fließen. Gleichzeitig müssen die Themen Zivilschutz und Verteidigungsfähigkeit von Grund auf angegangen und das notwendige Fundament gelegt werden, nachdem jahrelang abgebaut wurde.
Was erhofft ihr euch konkret durch die gelockerte Schuldenbremse?
Aus der Vergangenheit wissen wir, dass Minenräumung und Kampfmittelbeseitigung überwiegend nach bewaffneten Auseinandersetzungen relevant werden. Von Vorteil ist, dass wir bei unseren Zielgruppen bekannt sind und die Marke VALLON sich mit weltweiten Referenzen etabliert hat. Wir fertigen ausschließlich in Deutschland und testen jeden einzelnen Detektor auf Herz und Nieren. Das hat Gewicht. Schon seit den 1990er-Jahren gehören unsere Metalldetektoren und Magnetometer zum Ausrüstungspool der Teams zur Entschärfung und Beseitigung von Sprengstoffen und Kampfmitteln bzw. der Pioniertruppen der Bundeswehr. Unsere gute Ausgangslage wollen wir halten und weiter ausbauen.
Wie wollt ihr euch als Unternehmen aufstellen, um das Wachstumspotenzial zu nutzen und zu skalieren?
Operativ arbeiten wir im Rahmen eines Lean-Programms an der Optimierung von Prozessen und Abläufen in allen Bereichen. Das Ziel ist, die Effizienz bei gleichbleibender Qualität zu steigern, um so nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen. Das betrifft nicht nur die Detektoren, sondern auch den Entmagnetisierungsbereich sowie die Schutzausrüstung von Force Ware. Parallel dazu haben wir seit 2018 konsequent unsere digitale Transformation vorangetrieben. Wir haben innovative Lösungen entwickelt, die das Kundenerlebnis verbessern. Und wir sind effizienter in der Skalierung. Die beste Strategie bleibt aber wirkungslos, wenn sie nicht von einer Unternehmenskultur getragen wird, die Veränderung zulässt, die Verantwortung jedes Einzelnen fördert und alle mitnimmt. Wachstum um jeden Preis ist nicht unser Ziel. Wir wollen nachhaltig und kontrolliert wachsen, ohne unsere Werte und Qualitätsstandards zu vernachlässigen. Schließlich fertigen wir in Eningen Detektoren, die Menschenleben schützen.
Mit euren Metalldetektoren helft ihr, dass Regionen wieder bewohnbar, dass Menschenleben gerettet werden. Trotzdem erfährt man in der Öffentlichkeit kaum etwas über euch. Warum?
Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung sind selten in der Berichterstattung, obwohl es sich um ein weltweites Problem handelt. Unsere Detektoren kommen üblicherweise erst nach Konflikten zum Einsatz, wenn kaum noch berichtet wird. Da aber beginnt die herausfordernde Arbeit unserer Kunden. Wir sind stolz darauf, mit unseren Detektoren dazu beizutragen, dass ein Bauer wieder gefahrlos sein Feld bestellen kann oder Kinder sicher zur Schule gehen können. Deshalb haben wir 2024 unsere Unternehmensphilosophie „Together“ mit einem kompletten Corporate-Identity- bzw. Corporate-Design-Relaunch sichtbar gemacht. Was uns seit der Gründung ausmacht, haben wir nun in klaren Werten und Leitsätzen strukturiert. Der Kern unserer neuen Kampagne: Nur gemeinsam, in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden, können wir die Welt sicherer machen.
Ihr seid in Ländern wie Laos, Kambodscha oder Vietnam tätig. Inwiefern ist euer Geschäft von den geopolitischen Spannungen beeinträchtigt?
Geopolitische Spannungen betreffen uns wie jedes andere exportorientierte Unternehmen direkt und indirekt, zum Teil auch zeitverzögert. Unsere Kunden – oft internationale Hilfsorganisationen und NGOs – finanzieren sich größtenteils über Spendengelder. Jede politische Spannung, jede neue Krise beeinflusst die verfügbaren Mittel unmittelbar, weil dann weniger Gelder für die Minenräumung zur Verfügung stehen. Langfristig spüren wir geopolitische Spannungen, weil wir helfen, Altlasten vergangener Konflikte zu beseitigen. Landminen und Blindgänger müssen entfernt werden, damit Menschen wieder sicher leben können.
Dein Großvater hat das Unternehmen gegründet. Wie prägt diese Herkunft deine unternehmerische Haltung?
Mein Opa war ein richtiger Tüftler. Er hat damals seinen sicheren Job aufgegeben und die Firma von null an aufgebaut. Mein Vater hat weltweit für die internationale Bekanntheit gesorgt. Das verpflichtet. Ich bin stolz, diese Arbeit in dritter Generation fortführen zu dürfen. Dass ich mit dem Unternehmertum aufgewachsen bin, ist sicher tief in mir verwurzelt. Ich habe schon als Kind auch mal schwierige Phasen miterlebt und weiß, wie wichtig es ist, nach vorn zu schauen, durchzuhalten und alles immer wieder kritisch zu hinterfragen. Familienunternehmen haben eine andere Zeitperspektive. Das gibt uns die Freiheit, langfristige Entscheidungen zu treffen.
Welche Rolle spielt die Familienidentität heute im Unternehmen?
Langfristigkeit und Beständigkeit sind die Basis unserer strategischen Entscheidungen als Familienunternehmen. Gleichzeitig braucht es aber auch Fortschritt und Innovationsfähigkeit. Schon mein Opa wollte, dass wir uns immer weiterentwickeln, sowohl persönlich als auch als Unternehmen. Auch wenn wir den „Together-Gedanken“ heute klar formuliert haben, ist er nicht neu. Die ehrliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit intern wie extern war schon immer ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Und unsere familiäre Kultur prägt unser Miteinander auch mit fast 100 Mitarbeitenden. Die „offene Tür“ ist immer mitgewachsen.
UNTERNEHMEN
VALLON GmbH und Force Ware GmbH
Die 1965 gegründete VALLON GmbH entwickelt und produziert hochpräzise Detektoren für die Kampfmittelräumung und kundenspezifische Entmagnetisierungslösungen für die Industrie. Die Force Ware GmbH produziert spezialisierte Schutz- und Sicherheitsausrüstung für die Minenräumung. Markus Vallon ist seit 2023 alleiniger Geschäftsführer in der dritten Generation.
Ursprünglich erschien dieses Interview in unserem Magazin Family Business Matters, Ausgabe 03/2025. Jetzt reinlesen!
07.07.2026 - Allgemein
11.03.2026 - Blogartikel, Interview, Lesetipps, Nachfolge
04.03.2026 - Blogartikel, Highlight, Lesetipps, Nachfolge
Wir bedanken uns für ein Vierteljahrhundert Vertrauen.
Anlässlich unseres Jubiläums bieten wir Ihnen ein Special an und schenken Ihnen 25% auf 100% Inspiration.
Das Special gilt für alle Neuanmeldungen und auf unser gesamtes Veranstaltungsprogramm bis zum 30. Juni 2024. Es ist nicht mit anderen Aktionen kombinierbar. Fügen Sie dazu einfach bei der Anmeldung „INTES wird 25“ in das Bemerkungsfeld ein.