5 Fragen an… Emily Bruhn von der Bruhn Spedition

Vom kleinen Mädchen im elterlichen Betrieb zur Gesellschafterin in der 5. Generation: Emily Bruhn spricht im INTES-Interview mit Nathalie Stadelmann offen über ihren Weg ins Familienunternehmen, der Bruhn Spedition GmbH – über anfängliche Zweifel, den entscheidenden Zuspruch ihres viel zu früh verstorbenen Freundes und die Herausforderungen des Generationenwechsels. Sie erzählt, warum sie zunächst ganz woanders durchstarten wollte, wie sie und ihre Schwester heute gemeinsam Verantwortung tragen und weshalb eine Familienverfassung für sie unverzichtbar ist. Dabei verrät sie auch, welche Rolle der Austausch mit anderen NextGens spielt und warum Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung fest zu ihrer Zukunftsstrategie gehören.

1. Was hat dich motiviert, die Nachfolge im Familienunternehmen anzutreten?

Das Unternehmen war für mich schon immer ein Teil der Familie. Mein Vater hat mich bereits als kleines Mädchen regelmäßig mit in den Betrieb genommen, sodass ich früh die Atmosphäre unseres Familienunternehmens kennenlernen durfte.

Nach der Schule habe ich zunächst eine Ausbildung in unserem Unternehmen gemacht. Ehrlich gesagt war ich mir damals jedoch noch nicht sicher, ob ich wirklich im Familienunternehmen arbeiten möchte. Nach meinem Studium hat es mich zunächst nach Süddeutschland gezogen.

Mein Vater und auch mein Freund, der ebenfalls in der Logistikbranche tätig war, haben mich immer wieder bestärkt und ermutigt, es im Familienunternehmen zu versuchen. Der Einfluss meines Freundes war dabei nicht nur deshalb besonders wichtig, weil er selbst in einem Familienunternehmen involviert war. Sein Zuspruch wurde letztlich zur entscheidenden Motivation, mich dieser Herausforderung zu stellen. Dass die weitaus größere Herausforderung einmal darin bestehen würde, seinen viel zu frühen Tod zu bewältigen, konnte ich damals noch nicht ahnen. Schlussendlich haben mich beide überzeugt, diesen Schritt zu wagen. Auch wenn es Zeit gebraucht hat, bis ich wirklich angekommen bin, bin ich heute dankbar für diese Entscheidung.

Mittlerweile bin ich seit gut dreieinhalb Jahren im Familienunternehmen tätig und freue mich, meinen Beitrag als Familienmitglied leisten zu können und das Unternehmen gemeinsam mit meiner Schwester in die fünfte Generation weiterzuführen.

2. Was waren deine Herausforderungen, die dir im Nachfolgeprozess begegnet sind und wie hast du diese gelöst?

Da gab und gibt es tatsächlich einige. Mein Vater gehört einer anderen Generation an, und als ich damals ins Unternehmen eingestiegen bin, verlief der Anfang etwas holprig.

Ich war sehr motiviert und hatte viele Ideen, die ich gerne einbringen und umsetzen wollte. Rückblickend kann ich jedoch gut nachvollziehen, dass mein Vorgehen anfangs vielleicht etwas zu dynamisch war. Inzwischen haben wir einen guten Weg der Zusammenarbeit gefunden, sodass heute jeder seine Gedanken und Perspektiven einbringen kann.

Meine Schwester Anna und ich sind seit diesem Jahr zudem Mitgesellschafterinnen. Dieser Schritt war für uns mit viel Verantwortung, großer Freude, aber auch mit intensiven und anspruchsvollen Phasen verbunden. Ich kann jedem nur empfehlen, sich in einer solchen Phase externe Unterstützung zu holen – sei es auf steuerlicher, rechtlicher oder auch auf Ebene der Familiengovernance. Wir hatten das große Glück, in allen drei Bereichen sehr gute Expertinnen und Experten an unserer Seite zu haben, die uns durch diesen Prozess begleitet haben.

3. Wie wichtig erachtest du den Austausch mit anderen NextGens und warum?

Ich empfinde den Austausch mit anderen NextGens als sehr wertvoll. Er bietet die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen und Einblicke zu gewinnen, wie andere mit bestimmten Herausforderungen umgehen. Gleichzeitig entstehen daraus oft neue Ideen, Impulse und zusätzliche Motivation. Dabei wird schnell deutlich, dass man mit den eigenen Themen nicht allein ist. Viele befinden sich in ganz ähnlichen Situationen und genau dieser Austausch ist besonders hilfreich.

Besonders schön finde ich es, wenn man mit der eigenen Geschichte auch andere motivieren kann, dranzubleiben und die nächsten Schritte zu gehen.

4. Ihr habt eine Familienverfassung aufgesetzt. Warum ist es deiner Meinung nach für jede Unternehmerfamilie unabdingbar, dass eine solche Vereinbarung aufgesetzt wird?

Gemeinsam mit meiner Schwester habe ich erstmals mit externer Unterstützung eine Familienverfassung erarbeitet. Ziel war es, für uns als Gesellschafterinnen eine gemeinsame Orientierung zu schaffen und zugleich der nachfolgenden Generation unsere Werte sowie unsere Verantwortung als Gesellschafter transparent und verständlich zu vermitteln.

Die Familienverfassung schafft ein gemeinsames Verständnis für das Familienunternehmen und definiert klar die Werte, für die wir stehen. Gleichzeitig gibt sie einen verbindlichen Rahmen vor, indem sie festlegt, was möglich ist und wo Grenzen liegen. So fördert die Familienverfassung ein gemeinsames Verständnis und unterstützt dabei, diese Werte als Einheit zu leben und weiterzuentwickeln.

5. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung in eurer zukünftigen Geschäftsstrategie?

Diese beiden Aspekte spielen für uns als Familienunternehmen eine zentrale Rolle. Es war uns schon immer wichtig, langfristig zu denken, anstatt auf schnelle Gewinne zu setzen oder durch riskante Entscheidungen kurzfristiges Wachstum zu erzielen. Denn wir tragen Verantwortung, sowohl für unsere Mitarbeitenden als auch gegenüber unseren Partnern. Gleichzeitig sehen wir uns in der Verantwortung für unsere Region, in der wir uns engagieren und bewusst etwas zurückgeben möchten.

Dieses Verständnis möchten wir auch in Zukunft weitertragen.

Wenn du auch Interesse am Netzwerken mit anderen Nachfolgern hast, dann melde dich sehr gerne bei uns. Der NextGen Club könnte genau das Richtige für dich sein.

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