Externe Nachfolge: Wenn kein Familienmitglied übernehmen möchte oder geeignet ist

Was tun, wenn keine familieninterne Nachfolgerin oder familieninterner Nachfolger das Unternehmen übernehmen möchte? Was tun, wenn niemand geeignet ist? Für jedes Szenario in der Nachfolge gibt es die passende Lösung. Eine davon kann die externe Nachfolge sein.

Die Nachfolgeplanung in Familienunternehmen ist eine große Herausforderung. Eine Besondere, wenn innerhalb der Familie kein (geeignetes) Mitglied zur Verfügung steht. Die Suche nach einer externen Nachfolge bietet in solchen Fällen eine gute Alternative, um das Fortbestehen des Unternehmens zu sichern. Doch dieser Prozess erfordert sorgfältige Planung und strategisches Vorgehen.

Es gibt viele Gründe, warum Familienmitglieder für die Nachfolge nicht infrage kommen. Dazu gehören mangelndes Interesse oder es bestehen individuelle Karrierewünsche, die mit einer Unternehmensübernahme nicht vereinbar sind. Steht kein geeigneter Nachfolger oder keine geeignete Nachfolgerin zur Verfügung, rücken Überlegungen zu Betriebseinstellungen in den Fokus. Besonders ein fehlender Nachfolger oder eine fehlende Nachfolgerin stellt viele Unternehmen vor eine ihrer größten Herausforderungen. Dieser Druck wird durch den demografischen Wandel verstärkt, da anzunehmen ist, dass der Nachfolgeengpass in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Dennoch bleibt der Wunsch einer familieninternen Nachfolgelösung weiterhin hoch. Alternativ gewinnt laut KfW-Research die externe Nachfolge durch einen Verkauf zunehmend an Bedeutung und liegt bereits an zweiter Stelle der bevorzugten Optionen.

Weiterhin bietet sich eine Nachfolge aus dem Kreis der Miteigentümer, Führungskräfte oder leitenden Mitarbeitenden an (Management-Buy-Out (MBO)) und bietet einige Vorteile. Sie sind mit dem Unternehmen bereits vertraut. Sie kennen interne Abläufe, die Mitarbeitenden, die Kunden und Lieferanten. Abgesehen davon, konnten sie ihre Expertise und Führungsqualitäten bereits unter Beweis stellen, was den Übergang erleichtert.

Quelle: KfW-Mittelstandspanel 2017–2023
  • Buy-In-Management-Buy-Out (BIMBO): Eine Kombination bei dem das interne und externe Management das Unternehmen übernimmt. Diese Kombination kann das Risiko der Übernahme auf mehrere Personen verteilen und den Übergangsprozess unkomplizierter gestalten. Die Schwierigkeit liegt hierbei, das richtige, externe Management für das Unternehmen zu finden.
  • Owner-Buy-Out: Der ursprüngliche Eigentümer verkauft seine Anteile an eine Erwerbsgesellschaft, an der er beteiligt ist und bleibt als Minderheitsgesellschafter im Unternehmen. So kann er weiterhin Einfluss und Expertise in das Unternehmen einbringen. Die Herausforderung liegt darin, den Einfluss des bisherigen Eigentümers zu steuern und Verantwortlichkeiten zu definieren.
  • Verkauf an einen Konkurrenten (Plant-Buy-Out): Diese Form ermöglicht Synergieeffekte und die Möglichkeit zu neuen Märkten und Technologien Zugang zu bekommen. Das eigene Lebenswerk kann so fortgeführt werden. Allerdings kostet es gegebenenfalls eine große Überwindung, da Name und Werte des Unternehmens verschwinden könnten.
  • Verkauf an Finanzinvestoren (Institutional-Buy-Out): In diesem Fall wird das Unternehmen oder Anteile von einer externen Investmentgesellschaft übernommen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Private Equity oder Risikokapitalgesellschaften. Das bestehende Management bleibt dabei häufig erhalten und es erfolgt eine strategische Neuausrichtung.

Eine externe Nachfolge bringt einige Herausforderungen mit sich. Daher gilt: Je früher der Planungsstart, desto besser. Doch gibt es einige Schwierigkeiten, die man auf dem Schirm haben sollte.

  • Integration und Einarbeitung: Externe Nachfolger müssen sich in das bestehende Unternehmen einarbeiten und interne Prozesse, die Unternehmenskultur und bestehenden Kunden- und Lieferantenbeziehungen verstehen.
  • Akzeptanz bei Mitarbeitern: Ein externer Nachfolger muss Vertrauen und Akzeptanz innerhalb der Belegschaft gewinnen, was herausfordernd sein kann.
  • Betriebsblindheit vermeiden: Obwohl der externe Nachfolger nicht die gleiche Betriebsblindheit wie interne Nachfolger hat, besteht die Gefahr, dass er die spezifischen Stärken und Schwächen des Unternehmens zunächst nicht vollständig erkennt.

Externe Nachfolger bringen neue Perspektiven und innovative Ansätze. Zudem können externe Führungskräfte, frei von familiären Verpflichtungen, objektivere Entscheidungen treffen.

Möglichkeiten zur externen Nachfolgersuche

Plattformen und Netzwerke: Die Nexxt-Change Unternehmensbörse hilft Unternehmern, Nachfolger zu finden. Die Plattform wird von den IHKs unterstützt und vermittelt Kontakte zu interessierten Kandidaten.

Externe Beratung: Berater, die sich auf Nachfolgelösungen spezialisiert haben, können eine wichtige Rolle spielen, um erfahrene Führungspersönlichkeiten zu gewinnen. Die INTES hat ein Beraternetzwerk, auf das wir auch bei solchen Themen zurückgreifen können.

Die externe Nachfolge ist eine wertvolle Lösung, wenn innerhalb der Familie kein geeigneter Nachfolger gefunden wird. Mit einer gut strukturierten Planung und einer sorgfältigen Auswahl lässt sich der Übergang erfolgreich gestalten. Externe Nachfolger sind keine Notlösung, sondern eine Chance, das Unternehmen neu auszurichten und langfristig zu sichern.

Weitere Tipps zur Nachfolge können Sie hier lesen.
Quellen

1 KfW Research: Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2023
2 IHK -Herausforderungen der Unternehmensnachfolge
3 Nexxt-Change Unternehmensbörse
4 IHK-Leitfäden zur Unternehmensnachfolge
5 Dipl.-Kfm. (Univ.), B.A. Christian Kneer (Autor:in), 2005, Buy-out-Transaktionen: Formen, Finanzierungsstrukturen und Anwendungsbereiche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134355
6 https://www.gabler-banklexikon.de

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