Das Geheimnis erfolgreicher Familien­unternehmen

„Die Exportquote eines Unternehmens bleibt eine wichtige Erfolgskennzahl“ MATTHIAS UNGER IM GESPRÄCH MIT JÜRGEN KREINDL „Krisen stoßen Veränderungen an und zwingen uns zu Innovationen“ Matthias Unger, der das österreichische Stahlbauunternehmen Unger Steel Group in dritter Generation führt, spricht im Interview über das Geheimnis erfolgreicher Familienunternehmen, wieso er an Self-fulfilling Prophecy glaubt und wo sich Europa … Weiterlesen

„Die Exportquote eines Unternehmens bleibt eine wichtige Erfolgskennzahl“

Matthias Unger

MATTHIAS UNGER IM GESPRÄCH MIT JÜRGEN KREINDL

„Krisen stoßen Veränderungen an und zwingen uns zu Innovationen“

Matthias Unger, der das österreichische Stahlbauunternehmen Unger Steel Group in dritter Generation führt, spricht im Interview über das Geheimnis erfolgreicher Familienunternehmen, wieso er an Self-fulfilling Prophecy glaubt und wo sich Europa eine Scheibe vom amerikanischen Unternehmertum abschneiden kann.

Matthias, die Wirtschaft ächzt unter zahlreichen Krisen. Wie erlebst du die aktuelle Lage in deinem Familienunternehmen?
MATTHIAS UNGER: Ich glaube, gerade Familienunternehmen haben die Resilienz, gut durch diese Zeiten zu kommen. So erlebe ich es in meinem Alltag. Wir sehen eine starke Nachfrage und blicken zuversichtlich in die Zukunft. Jeder Krise lässt sich auch etwas Gutes abgewinnen. Das Positive an der Corona-Pandemie war, dass sie die Digitalisierung beschleunigt hat. Die aktuelle Situation rund um den Krieg in der Ukraine – so furchtbar die Lage und das Leid der Menschen sind – beschleunigt den Wandel hin zu erneuerbaren Energien. Krisen stoßen Veränderungen an und zwingen uns zu Innovationen. Darin sehe ich große Chancen für jedes Familienunternehmen.

Ihr habt seit 1952 mehr als 10.000 Projekte in über 40 Ländern erfolgreich umgesetzt. Was ist der Schlüssel für euren Erfolg?
Unsere Grundwerte als Familienunternehmen haben uns zu diesem Erfolg verholfen. Wir haben flache Hierarchien und schnelle Entscheidungswege – das ist sicher ein Vorteil. Gleichzeitig ist es uns immer gelungen, das Vertrauen der Kunden zu erobern und mit unseren Stammkunden gemeinsam zu wachsen. Das ist ein wichtiger Faktor im Baugeschäft, wo viel auf Vertrauen basiert. Nicht zuletzt spielen unsere Mitarbeitenden eine Schlüsselrolle ebenso wie die langjährigen Partnerschaften. Denn nur mit Partnern ist man stark.

Dein Vater hat nach dem Fall des Eisernen Vorhangs stark in die osteuropäischen Länder expandiert. Siehst du in der aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Lage ähnliche Chancen?
Der Export bleibt ein zentraler Baustein für unseren Erfolg. Die Exportquote eines Unternehmens – bei uns liegt sie bei 70 Prozent – ist eine wichtige Erfolgskennzahl, weil wir in Europa vom weltweiten Handel leben. Mit Blick auf die aktuelle geopolitische Lage ist das natürlich auch mit Risiken verbunden. Sinnvoll ist deshalb eine Doppelstrategie: einerseits den Export hochhalten und Kernbereiche wieder nach Europa zurückholen, etwa in der Chipoder Medikamentenproduktion.

Inwiefern passt ihr eure Erfolgsrezepte an die aktuelle Lage an?
Auch wir müssen ständig dazulernen und uns adaptieren. Aktuell treibt uns das Thema Nachhaltigkeit und die EU-Taxonomie stark um. Grundsätzlich bin ich dafür, eine Klarheit reinzubringen, die Nachvollziehbarkeit der Lieferkette zu gewährleisten. Aber man muss es in einem gesunden Ausmaß machen. Was auf den ersten Blick wie ein großer Papiertiger wirkt, bietet aber auch wieder eine große Chance, nämlich die Möglichkeit, dass wir hier in Europa eine Vorreiterrolle einnehmen, so wie wir sie seit der Industrialisierung eigentlich immer innehatten – egal, ob es um Know-how oder um Umweltthemen geht.

Was passiert in Sachen Nachhaltigkeit aktuell in der europäischen Stahlindustrie?
Wir investieren gerade viel in verschiedene Ansätze, um die während des Produktionsprozesses entstehenden CO2-Emissionen zu reduzieren und die Klimabilanz von Stahl als Baustoff zu verbessern. Ich bin überzeugt, dass wir in Europa den Energieumstieg hin zu den Erneuerbaren schneller schaffen werden als in anderen Teilen der Welt. Aber dieser Wandel ist nicht umsonst. Letztlich werden die Unternehmen das nur mit einer Mischkalkulation stemmen können, nämlich mit Produktion in Europa und an anderen Standorten außerhalb Europas.

Eine Schlüsselrolle, um die Zukunftsfähigkeit und Resilienz eines Unternehmens zu erhöhen, fällt auch der Digitalisierung zu. Wie geht Unger damit um?
Wir leben im Jahrhundert der Digitalisierung und stehen erst am Anfang der Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Bei Unger planen und konstruieren wir schon seit Jahrzehnten komplett dreidimensional, die Maschinen sind alle vernetzt. Um innovativ zu bleiben und auch in der Digitalisierung eine Vorreiterrolle einzunehmen, arbeiten wir regelmäßig mit Start-ups zusammen. Ich versuche, diese beiden Welten zu verbinden: junge, hungrige Start-ups, die zuweilen über das Ziel hinausschießen, mit unserer Erfahrung als etabliertes Industrieunternehmen. Wenn diese unterschiedlichen Ansätze aufeinandertreffen, entstehen Reibung, positive Energie und letztlich innovative Ideen.

Du führst das Unternehmen jetzt in dritter Generation. Was ist deine Strategie, um deinen Enkelkindern ein erfolgreiches Unternehmen übergeben zu können?
Auf Familienebene verfolgen wir eine klare Strategie: Wir wollen das Unternehmen in Familienhand belassen, es gesund und nachhaltig weiterführen. Dafür schmieden wir Jahrespläne und denken zwei, drei Jahre voraus. Eine längerfristige Strategie ist heutzutage kaum mehr möglich. Wichtig ist, dass wir flexibel auf Änderungen reagieren können. Aktuell sind wir z.B. dabei, in unseren Standort im Mittleren Osten zu investieren. Das war in den Covid-Jahren nicht einfach, aber da sehen wir jetzt die Chance, gerade im Export in Richtung amerikanischer Markt.

Du setzt dich als Bundesvorsitzender der Jungen Industrie in Österreich für die Belange junger Unternehmer ein. Wie erlebst du grundsätzlich die Stimmung unter den jungen Industrieunternehmern?
Sehr positiv. Die jungen Entrepreneure sind innovativ, hungrig und voller Tatendrang. Der Antrieb, die Dinge anzupacken und einfach mal zu machen, ohne vorher alles bis ins kleinste Detail zu durchdenken, ist erfrischend. Das erinnert mich an den Unternehmergeist, der in den USA oft vorherrscht und von dem wir uns in Europa eine Scheibe abschneiden können.

Was stimmt dich optimistisch, wenn du an die Zukunft der europäischen Industrie denkst?
Wir leben in aufregenden Zeiten, in denen es viel Veränderung gibt – und Veränderungen bedeuten immer auch Chancen und Möglichkeiten zum Aufbruch. Wer in dieser Zeit innovativ ist und gute Partnerschaften pflegt, kann zuversichtlich in die Zukunft blicken. Ich glaube an die Self-fulfilling Prophecy: Wenn man die Dinge schlecht sieht, werden sie auch negativ kommen. Deshalb blicke ich als Unternehmer grundsätzlich positiv nach vorn. Wenn ich auf unsere 70-jährige Firmengeschichte zurückschaue, gab es immer Herausforderungen, aber wir haben jedes Mal Lösungen gefunden. Deshalb plädiere ich dafür, mutig in die neuen Zeiten zu gehen und gerade der jungen Generation die Chance zu geben, die Familienunternehmen mit ihren Ideen weiterzuführen.

Kontakt
b.wormuth@intes-akademie.de

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