Eine Krise ist die Chance, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln

„Wir verstehen eine Krise als besondere Herausforderung und als eine neue Chance, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, für unsere Kunden“ DR. LAURA SASSE IM GESPRÄCH MIT SILKE FUSSBAHN Frau Sasse, Sie haben 2022 mit Ihrer Schwester das elterliche Unternehmen übernommen. Welche Erfahrungen haben Sie besonders geprägt? Dr. LAURA SASSE: Das Vertrauen und die Freiheit, die … Weiterlesen

„Wir verstehen eine Krise als besondere Herausforderung und als eine neue Chance, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, für unsere Kunden“

Dr. Laura Sasse

DR. LAURA SASSE IM GESPRÄCH MIT SILKE FUSSBAHN

Frau Sasse, Sie haben 2022 mit Ihrer Schwester das elterliche Unternehmen übernommen. Welche Erfahrungen haben Sie besonders geprägt?
Dr. LAURA SASSE: Das Vertrauen und die Freiheit, die uns die erste Generation mit an den Start gegeben hat, waren Gold wert bei einem Start in eine sehr unruhige Wirtschaftswelt. Ein globales Krisenszenario mit Pandemie und Krieg erscheint auf den ersten Blick auch nicht als hilfreich, um von Beginn an eigene Akzente zu setzen. In der Realität hat uns das die Gelegenheit verschafft, Aufgaben wie Digitalisierung, Umstrukturierung oder Innovation beherzt und radikal anzugehen. Da war kein Platz für Kompromisse, da war unser Können gefordert. Dass wir agil geblieben sind und uns nicht haben einschüchtern lassen, ist Sasse-DNA pur.

Wie geht die Dr. Sasse Gruppe mit den sehr herausfordernden wirtschaftlichen Zeiten um?
Jeder Krisenmodus hat zwei Ausgänge. Man scheitert oder man geht gestärkt daraus hervor. Als verantwortungsbewusstes Familienunternehmen haben wir dort vorgesorgt, wo wir unsere Unabhängigkeit bei Entscheidungen behalten und wo wir Manövrierraum brauchen: mit substanziellen Rücklagen. und wir haben uns über Jahrzehnte eine aktive Mannschaft aufgebaut, die mit Herz und Verstand hinter unserem Handeln steht.

Haben Sie als Familienunternehmerin einen besonderen Blick auf Krisen?
Egal, wie heftig uns der Wind entgegenweht: An der Haftung mit unserem eigenen Namen und mit unserem eigenen Geld gibt es nichts zu rütteln. Wir haben uns entschieden, Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden ganzheitlich anzunehmen. Aus diesem Miteinander entsteht Vertrauen, dieses Vertrauen trägt Engagement und aus diesem Engagement schöpft jede und jeder im Team die Kraft für Veränderung. Darin steckt die Energie für Ideen und Initiativen, um neue Chancen zu erkennen und genau jene neuen Geschäftsmodelle aufzubauen, die uns gestärkt aus der Krise kommen lassen. Das hat eine Familie im Kleinen wie im Großen dutzendfach durchlebt, das entspricht auch unserer Haltung als Familienunternehmen. Ein Thema wie Nachhaltigkeit mit Blick auf die kommenden Generationen ist in unserem Denken und Handeln tief verankert. Das brauchen wir nicht neu zu lernen. Aber für unsere Kunden können wir umso überzeugendere Konzepte entwickeln, je mehr eigene Erfahrung wir vorweisen. Wir verstehen eine Krise als besondere Herausforderung und als eine neue Chance, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, für unsere Kunden.

Wie hat die Dr. Sasse Gruppe auf die Herausforderungen der vergangenen Jahre reagiert?
Wir sind beim Thema „New Work“ in die Tiefe gegangen: In Zukunft sind die Leitenden gefordert, nicht nur in Hierarchien zu denken. Ihre Aufgabe liegt darin, Teams und Einzelne zu befähigen, Talente weiterzuentwickeln – und aus deren Reihen neue Verantwortliche zu gewinnen. Dazu gehört auch das Thema „Spurwechsel“ zu immer neuen Aufgaben und immer neuen Teams. Als Familienunternehmen haben wir das immer schon so gehalten, nicht zuletzt weil wir uns im persönlichen Gespräch auf dem Laufenden gehalten haben, wer sich wie und wohin verändern will. Das kommt uns auch beim zweiten Megatrend entgegen, der Digitalisierung. Alle Mitarbeitenden sind heute über die Sasse-App vernetzt, für Führungskräfte und Kunden sind alle Leistungsdaten im Dashboard unverzüglich transparent. Qualitätsmanagement und Leistungssteuerung sind digital auf einem Niveau angekommen, dass wir sie als eigenständige Sasse-Merkmale positionieren. Wir können das, weil uns Digitalisierung und Automatisierung so viel Routine vom Leib halten, dass allen im Team wieder Zeit und Raum dafür bleibt, mit unseren Kunden über die wichtigen Stellschrauben in ihrer Liegenschaft zu reden. Weil wir die Daten dann auch noch intelligent nutzen, werden wir inzwischen auch zu Energieberatern. Wir haben das Wissensfundament für alle Objekte und Anlagen, um Schwachstellen aufzudecken, Verbräuche zu optimieren. Damit werten wir das Thema Facility-Management auf zum aktiven Beitrag jeder ESG-Bilanz.

Sie sind auch für Digitalisierung und Nachhaltigkeit verantwortlich. An welchen Stellen kann Digitalisierung im Facility-Management
unterstützen?

Ich sehe hier inzwischen Ansatzpunkte auf allen Ebenen – von der Verwaltung bis zu den Operations vor Ort. Zwei markante Beispiele: Ein durch
Sensorik gesteuertes Workforce-Management oder der Einsatz von Robotik führen, erstens, dazu, dass wir sorgsamer und effizienter mit allen Ressourcen umgehen. Dabei reduzieren wir Materialeinsatz, Emissionen und Müll in signifikantem Umfang und verbessern damit sowohl bei uns selbst
wie auch bei unseren Kunden die ESG-Bilanz. Zweitens können wir auf Basis intelligenter und effizienter Datennutzung spezifische Kunden-Dashboards entwickeln, die mehr Transparenz und effizientere Ressourcennutzung ermöglichen. Die Inbetriebnahme einer eigenen Cloud-Lösung, die wiederum Material- und Energieaufwand senkt, wird der nächste Schritt sein. Nicht zu vernachlässigen schließlich ist: Wir schaffen Lösungen für die grundlegenden Veränderungen der Arbeitswelt, die von einer neuen Generation von Mitarbeitenden eingefordert werden. Das Gebot der Zukunft heißt: Flexibles Arbeiten schafft eine optimale Verbindung von Arbeiten und Leben.

Gibt es Erkenntnisse aus der Krise, für die Sie dankbar sind?
Jede davon hat mit Menschen und Persönlichkeiten zu tun. Ich war sehr beeindruckt, dass wir viele großartige Menschen im Team haben, die sich bemerkenswert ins Zeug legen. Das war wirklich erstaunlich. Da hat sich niemand versteckt, da waren alle präsent. Diese Sichtbarkeit von etwas, was
scheinbar selbstverständlich ist, motiviert das ganze Unternehmen, es stärkt den Zusammenhalt. Es hat uns auch bestätigt, dass unser hohes Tempo bei
der Digitalisierung gut für uns ist, weil es uns die Flexibilität gegeben hat, uns auf veränderte Umstände einzustellen. Daraus wiederum haben sich viele Impulse für neue Geschäftsfelder und Angebote ergeben.

Kontakt
b.wormuth@intes-akademie.de

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