Startrampe ins Unternehmertum

Statt gleich nach der Ausbildung Führungsverantwortung im elterlichen Familienunternehmen zu übernehmen, entwickelt die Next Generation ihr Unternehmer-Gen oft erst einmal in der Gründung oder auch Finanzierung eines Start-ups weiter. Und das ist gut so: Denn das kann die Digitalisierung des traditionellen Geschäftsmodelles im eigenen Familienunternehmen und die Entwicklung gänzlich neuer Geschäftsmodelle beschleunigen.  Für Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men füh­ren zahl­rei­che … Weiterlesen

Statt gleich nach der Ausbildung Führungsverantwortung im elterlichen Familienunternehmen zu übernehmen, entwickelt die Next Generation ihr Unternehmer-Gen oft erst einmal in der Gründung oder auch Finanzierung eines Start-ups weiter. Und das ist gut so: Denn das kann die Digitalisierung des traditionellen Geschäftsmodelles im eigenen Familienunternehmen und die Entwicklung gänzlich neuer Geschäftsmodelle beschleunigen. 

Für Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men füh­ren zahl­rei­che Wege in die Zu­kunft. Ei­ner, der sich im Zeit­al­ter der Di­gi­ta­li­sie­rung zu­neh­mend als er­folg­reich er­weist, er­öff­net sich von in­nen her­aus: Ne­ben ers­ten be­ruf­li­chen Sta­tio­nen bei in­ter­na­tio­na­len Kon­zer­nen, Wett­be­wer­bern oder aus­län­di­schen Toch­ter­un­ter­neh­men, die be­reits in der Ver­gan­gen­heit die Re­gel wa­ren, ent­schei­den sich po­ten­zi­el­le Nach­fol­ger neu­er­dings oft für ei­nen an­de­ren Zwi­schen­schritt, be­vor sie Ver­ant­wor­tung im el­ter­li­chen Un­ter­neh­men über­neh­men: Sie grün­den ihre ei­ge­ne Fir­ma oder fi­nan­zie­ren mu­ti­ge Grün­der, die das fa­mi­liä­re Ge­schäfts­mo­dell di­gi­ta­li­sie­ren.

„In einem Start-up muss man unternehmerisch agieren, kreativ denken und trotz ungeordneter Strukturen das Geschäftsmodell skalieren. Start-ups sind deshalb eine ideale Startrampe ins Unternehmertum: Man muss Ideen haben, daran glauben und Erfolge über das Team realisieren.“

Dr. Dominik von Au

Ein Bei­spiel: Un­ter­neh­mer­sohn Max Viess­mann. Seit meh­re­ren Jah­ren zeigt er enor­men Grün­der­geist, um das mehr als 100 Jah­re alte Hei­zungs­un­ter­neh­men zu di­gi­ta­li­sie­ren. Be­vor er 2017 in die neue Dop­pel­spit­ze mit sei­nem Va­ter auf­stieg, grün­de­te er den Com­pa­ny Buil­der Wat­tx und setz­te zwei Ven­ture-Ca­pi­tal-Un­ter­neh­men auf, die Grün­der un­ter­stüt­zen, die das Ge­schäfts­mo­dell des el­ter­li­chen Un­ter­neh­mens di­gi­tal er­gän­zen.

Dass die­ser Weg bei­lei­be kein Ein­zel­fall ist, zeigt auch die PwC-Stu­die „Same pas­si­on, dif­fe­rent paths“: Die Next Gen, die ihre Lauf­bahn im Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men auf ho­hem aka­de­mi­schen Le­vel, mit viel Be­rufs­er­fah­rung und ei­nem in­ter­na­tio­na­len Netz­werk star­tet, ist selbst­be­wusst und will ihre Spu­ren hin­ter­las­sen: 75 Pro­zent der Ent­schei­der von mor­gen ha­ben gro­ße Plä­ne, mit de­nen sie das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men in den nächs­ten fünf bis zehn Jah­ren vor­an­brin­gen möch­ten. Laut der Stu­die „Deutsch­lands nächs­te Un­ter­neh­mer­ge­ne­ra­ti­on“ der Stif­tung Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men ist Deutsch­lands nächs­te Un­ter­neh­mer­ge­ne­ra­ti­on zu­dem sehr di­gi­tal­af­fin und hoch in­ter­es­siert, sich mit neu­en tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen zu be­schäf­ti­gen und die­se an­zu­wen­den.

DI­GI­TA­LE GE­SCHÄFTS­MO­DEL­LE: IN­TERN AUF­BAU­EN ODER FI­NAN­ZIE­REN?

„Pro­ject X“ von Sixt und „La Fa­miglia“

Zu die­ser Ge­ne­ra­ti­on ge­hö­ren auch Alex­an­der und Kon­stan­tin Sixt. Wäh­rend Fir­men­in­ha­ber Erich Sixt un­ent­wegt das Wachs­tum des Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens vor­an­treibt, ent­wi­ckeln sei­ne Söh­ne das Ge­schäfts­mo­dell für das kom­men­de Jahr­zehnt. „Pro­ject One“ heißt der ers­te Auf­trag der Un­ter­neh­mens­ein­heit „Pro­ject X“, die Alex­an­der Sixt vor drei Jah­ren ge­star­tet hat. Nun wird das haus­in­ter­ne Start-up aus­ge­rollt, an dem in Pul­lach, Kiew und In­di­en 450 Ent­wick­ler ar­bei­ten. Zu­nächst an den Flug­hä­fen Mün­chen und Düs­sel­dorf kön­nen Miet­wa­gen di­rekt per Han­dy ge­bucht und ge­star­tet wer­den. Der Weg zum Schal­ter ent­fällt da­mit. 

Un­ter­neh­mer­spross Se­bas­ti­an von Johns­ton aus der Sie­mens-Fa­mi­lie da­ge­gen hat den Ven­ture Ca­pi­tal Fonds „La Fa­miglia“ mit­ge­grün­det. Den Fonds fi­nan­zie­ren In­ves­to­ren aus Un­ter­neh­mer-Dy­nas­ti­en wie Mie­le, Viess­mann, Sie­mens, Fürs­ten­berg und Con­rad aus Deutsch­land so­wie Swa­rov­ski aus Öster­reich und Sol­vay aus Bel­gi­en. Er will eine Brü­cke zwi­schen der Grün­der­sze­ne und dem eta­blier­ten deut­schen Mit­tel­stand schla­gen. Bis­her hat sich „La Fa­miglia“ an sie­ben Start-ups be­tei­ligt, im nächs­ten Jahr sol­len min­des­tens zehn wei­te­re Be­tei­li­gun­gen hin­zu­kom­men. PwC-Ex­per­te Do­mi­nik von Au sieht zahl­rei­che Vor­tei­le in ei­nem sol­chen En­ga­ge­ment: 

DIE FA­MI­LIE ALS IN­VES­TOR GE­WIN­NEN

Start-ups fällt es tendenziell leichter, schnell einen kreativen unternehmerischen Raum zu entfalten. Und die Nachfolger lernen sehr schnell Verantwortung zu übernehmen. Doch auch wenn sich das Start-up im Umfeld des elterlichen Familienunternehmens befinden oder gar eine Beteiligung davon werden sollte, ist es wichtig, die Familie, die dann als Investor fungiert, mit guten Geschäftsideen zu überzeugen. Denn die Finanzierung ist kein Automatismus.

Dr. Do­mink von Au

Am Ende wird die Un­ter­neh­mer­fa­mi­lie in al­ler Re­gel von die­sen Ak­ti­vi­tä­ten pro­fi­tie­ren: Denn wenn die Nach­fol­ger ir­gend­wann in das Stam­mun­ter­neh­men ein­stei­gen, wis­sen sie be­reits, was es be­deu­tet, un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dun­gen zu fäl­len, ge­stal­te­risch zu agie­ren und Füh­rungs­ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. 

Die­ser Ar­ti­kel ist Teil der ge­mein­sa­men In­itia­ti­ve „Next 20 Ye­ars“ von PwC und der INTES Akademie für Familienunternehmen.

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